T,X 24.05.98
Faltblatt zum CHE-Video „Mensch,
Genosse, Freund,...“
Zum besseren Verständnis des Videos empfehlen wir zuerst
dieses Faltblatt zu lesen und dann erst den Video
anzuschauen bzw bei Veranstaltungen bei Beginn das
Faltblatt an die Anwesenden zu verteilen und eine kurze Einführung zu geben.
Überblick über das Leben Che Guevaras
1928 Ernesto Che Guevara wird am 14.Juni in Rosario, Argentinien, als Kind von Celia de la Serna und Ernesto Guevara Lynch geboren.
Er verbringt die ersten zwei Jahre in Puerto Caraguatay in der Provinz Misiones
am Fuße des Alto Parana an den Ausläufern der
paraguayischen Wälder.
1930 Mit zwei Jahren beginnt er an Asthma zu leiden und
die Familie ist gezwungen, in ein trockenes Klima umzuziehen. Man wählt die
kleine Stadt Alta Gracia in der Sierra de Cordoba aus.
1945-1950 Che besteht das Abitur und zieht mit seiner
Familie nach Buenos Aires. Er findet Arbeit als städtischer Angestellter und
immatrikuliert sich in der medizinischen Fakultät. Ursprünglich Patient, wird
er nunmehr Mitarbeiter im Laboratorium des berühmten Allergologen Dr.Pisani.
Er führt mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor eine mehr als 4000
km lange Reise in die Anden im Norden Argentiniens durch.
1951-1952 Reise mit seinem Freund Alberto Granado mit dem Motorrad. Ziel ist der Besuch der
berühmtesten Leprastationen Lateinamerikas, aber die Reise entwickelt sich zu
einer außerordentlichen Quelle von Abenteuern und Erfahrungen. Sie endet im
August 1952 in Miami, von wo Ernesto mit dem Flugzeug zurückkehrt
1953 Er legt in wenigen Monaten die geforderten 15
Prüfungen in Medizin ab und graduiert mit einer Arbeit über Allergien. Abfahrt
zu einer weiteren Reise durch Lateinamerika zusammen mit seinem Freund Calica Ferrer.
Die ursprünglich archäologischen Interessen wandeln sich
Schritt für Schritt in politische um. In La Paz in Bolivien erlebt er den
Augenblick eines gewaltigen Anwachsens der Arbeiter- und Bauernbewegung unter
der Regierung von Paz Estenssoro. Aus politischen
Gründen beschließt er, eine ähnliche Bewegung in Guatemala kennenzulernen.
1954 Che bleibt von Januar bis
August in Guatemala. Dort nimmt er aktiv an der Bewegung teil, die sich unter
der Regierung von Jacobo Arbenz
gebildet hat, als Mitarbeiter des nationalen Gesundheitsdienstes und als
Bestandteil der Jugendbrigaden. Er bewegt sich im Umfeld der
Kommunistischen Partei PGT und beginnt dort mit seiner marxistischen Schulung
Er hilft einer jungen Peruanerin vom linken Flügel der APRA, Hilda Gadea, und verliebt sich in sie. Sie werden zwei Jahre
später in Mexiko heiraten und eine Tochter Hildita
bekommen.
Eine Aggression von Söldnern, in Honduras durch den CIA
organisiert unter der Führung von Colonel Castillo Armas zerschlägt die Bewegung in Guatemala. Arbenz zieht sich kampflos zurück und Guevara muß sich in die argentinische Botschaft flüchten.
1955-56 Che kommt nach Mexiko-Stadt wo er sich mühselig
als fliegender Fotograph und Buchverkäufer durchschlägt, bis es ihm gelingt
eine Stelle in der allergologischen Abteilung im Generalkrankenhaus zu
bekommen. Er beendet einige wissenschaftliche Veröffentlichungen und nimmt
energisch wieder seine Studien des Marxismus auf.
Er lernt eine Gruppe von Exilkubanern der Bewegung 26. Juli
kennen und beteiligt sich als Arzt an der Expedition, die unter Führung von
Fidel Castro, dem Anführer des Sturms auf die Moncadakaserne,
vorbereitet wird.
Er nimmt an militärischen Ausbildungskursen unter der
Leitung des im Exil lebenden General Bayo, einem
ehemaligen Offizier der Armee der Spanischen Republik, teil.
Das Trainingscamp wird entdeckt und Che zusammen mit den
anderen Kubanern verhaftet. Um ihre Freilassung zu erreichen, beginnt er mit
einem Hungerstreik im Gefängnis. Er bleibt 57 Tage eingesperrt, länger als
die anderen.
Wieder in Freiheit, schifft er sich mit den anderen am 25.
November in Tuxpan ein und landete mit der „Granma“ am 2. Dezember in Kuba, am Playa
de las Coloradas.
1957-58 Jahre des revolutionären Kriegs. Er organisiert
die 2. Marschsäule, die von der von Fidel geleiteten Kolonne abgetrennt
wurde.
In der Sierra Maestra organisiert
er die „befreite Zone“ in „El Hombrito“. Er leitet in
der letzten Phase eine der zwei Angriffssäulen, die den Krieg von der Sierra
nach Havanna tragen, die Kampagne von Las Villas und
den Sieg in der Schlacht von Santa Clara.
1959 Als Mitglied der revolutionären Regierung nimmt er
die kubanische Staatsbürgerschaft an. Im Juni heiratet er Aleida March, mit der er 4 Kinder haben wird, Aleidita, Camilo, Celia und
Ernesto.
Zwischen Juni und September leitet er eine wirtschaftliche
Delegation, die Ägypten, Indien, Japan, Indonesien, Sri Lanka, Pakistan,
Jugoslawien und Marokko besucht.
Nach seiner Rückkehr wird er zum Chef der Abteilung für
Industrialisierung der INRA, des Nationalen Instituts für die Agrarreform,
ernannt. Im November wird er zum Präsident der kubanischen Nationalbank
ernannt.
1960 Von Oktober bis November führt er einen
offiziellen Besuch in der CSSR, der Sowjetunion, China, Korea, und der DDR
durch.
1961-64 Che leitet für 4 Jahre das
Industrieministerium. Dies ist seine wichtigste Aktivität neben seiner
eigenen Weiterbildung in allen Dingen, die er zur Leitung seines Ministeriums
benötigt, diplomatischen Reisen ins Ausland und reichhaltigen theoretischen
Arbeiten auf vielfältigen Gebieten.
Von 1963-64 organisiert er die berühmte „Ökonomische
Debatte“ über das Wertgesetz, die Kriterien der Planwirtschaft, die
Beziehungen zwischen Marktwirtschaft und staatlichem Sektor. Seine
Vorstellungen setzen sich nicht durch, aber er beweist damit seine
theoretischen Fähigkeiten und seine gründliche demokratisch-revolutionäre
Darlegung von Themen beim Aufbau des Sozialismus.
Im August 1961 leitet er die kubanische Delegation bei der
Konferenz von Punta del Este in Uruguay. Er nutzt die Gelegenheit für einen
schnellen und geheimen Besuch in Buenos Aires, wo er sich mit dem
argentinischen Präsidenten Frondizi austauscht.
Während der Raketenkrise im Oktober 1962 wird ihm die Leitung der
Verteidigung der Frente Occidental
in Pinar del Rio übertragen.
Im Juli 1963 führt er einen wichtigen Besuch im
revolutionären Algerien von Ben Bella durch. Zwischen März und April 1964
leitet er die kubanische Delegation bei der von der UNO in Genf einberufenen
Konferenz für Wirtschaft und Entwicklung. Im November 1964 ist er an der
Spitze einer kubanischen Delegation, die in Moskau an den Feierlichkeiten
zum 47. Jahrestag der Oktoberrevolution teilnimmt. Es ist seine dritte und
letzte Reise in die UdSSR.
Am 9.Dezember hält er eine Rede in New York vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen und wenige Tage später tritt er im
nordamerikanischen Fernsehen auf, wo er offen seine eigenen revolutionären
Vorstellungen für Lateinamerika propagiert. Danach führt ihn eine lange
Reise in mehrere afrikanische Länder. Das erste ist Algerien.
1965 Von Januar bis März besucht er Mali,
Kongo-Brazzaville, Guinea, Ghana, Dahome, China und
Tansania.
Am 24.Februar redet er beim zweiten afro-asiatischen
Wirtschaftstreffen in Algerien, auf dem er die weltweite Ausbeutung durch den
Imperialismus anprangert, aber auch den Gewinn, den die sozialistischen Länder
aus den Mechanismen des ungleichen Austausches ziehen.
Danach wendet er sich nach Ägypten. Dort hält er bei
Präsident Nasser seine letzte öffentliche Rede.
Am 14.März kehrt er nach Havanna zurück, wo er von den
höchsten kubanischen Repräsentanten empfangen wird. Dies ist die letzte
Gelegenheit bei der er in der Öffentlichkeit erscheint.
In der Periode seines „Verschwindens“ reist er nach Kongo
und Tansania, um die revolutionären Bewegungen in diesen Ländern politisch und
militärisch zu unterstützen.
In Kuba bereitet er das kontinentale revolutionäre Projekt
vor, das in seiner Abreise nach Bolivien mündet.
1966 Anfang November taucht er in Bolivien unter
falschem Namen und mit völlig veränderten Aussehen
auf. Er kommt in der Trainingszone der Guerilla an und beginnt mit seinem
Tagebuch.
1967 Am 17.April wird der Text seiner „Botschaft an die
Tricontinentale“ veröffentlicht.
Die Presseagenturen beginnen von der Anwesenheit Ches in
Bolivien zu berichten. Am 7.Juni erklärt die bolivianische Regierung von Barrientes den Kriegszustand. Am 24.Juni unterdrückt sie
mit einem blutigen Massaker die Aufstände der Minenarbeiter von Catavi und Huanuni.
Die Guerilla erzielt einige
militärische Erfolge. Aber sie teilt sich in Gruppen auf, die es nicht mehr
schaffen, sich wieder zusammenzuschließen. Am 31.August wird in Vado del Yeso die Gruppe von
Joaquin zerschlagen, zu der auch Tania die Guerillera
gehört.
Am 26.September gerät die Gruppe um Che in der Zone von Valle Grande in einen ersten Hinterhalt. Am 8.Oktober wird
die Gruppe in der Quebrada del Yuro
umzingelt und Che am Bein verletzt und mit unbrauchbarer Waffe gefangengenommen.
Er wird in die Volksschule von La Higuera
gebracht, wo er verhört und danach die ganze Nacht ohne medizinische
Versorgung gelassen wird.
Am Morgen des 9.Oktobers wird er durch einen Pistolenschuß ermordet, auf Grund eines offiziellen
Regierungsbeschlusses. Sein Leichnam wird mit Hubschraubern nach Valle Grande transportiert und später heimlich an einem
geheimen Ort in der Nähe des Flughafens vergraben. Dort wird der Leichnam 1997
entdeckt und nach Kuba überführt.
Die ungläubige Welt erhält am 15. Oktober die Bestätigung
des Todes durch Fidel Castro.
Roberto Massari (Übersetzung
Wolfram Treiber)